Nicolas BoyerBei einem Wortakrobaten wrde man von Scharfzngigkeit sprechen. Bei einem Fotografen fehlt hier noch der passende Begriff. Boyers Bildwelten treffen nicht nur den Punkt zielgenau, sondern auch tiefer ins Mark, als es die schrfste Feder vermag. Der Titel seines Buches spielt mit dem japanischen Wort Giri, das eine soziale Verpflichtung bezeichnet. Mit seinem Japan Zyklus hat Boyer ein besonderes Meisterwerk geschaffen. Denn was er fr die Kamera
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Bei einem Wortakrobaten würde man von »Scharfzüngigkeit« sprechen. Bei einem Fotografen fehlt hier noch der passende Begriff. Boyers Bildwelten treffen nicht nur den Punkt zielgenau, sondern auch tiefer ins Mark, als es die schärfste Feder vermag. Der Titel seines Buches spielt mit dem japanischen Wort »Giri«, das eine soziale Verpflichtung bezeichnet. Mit seinem Japan-Zyklus hat Boyer ein besonderes Meisterwerk geschaffen. Denn was er für die Kamera inszeniert, ist ein Japan, gesehen durch die Kulturgeschichte Europas – imaginiert als exotische Ferne und kunstvolle Stereotype. Boyers Aufnahmen konfrontieren diesen Schein mit dem Sein vor Ort als gewitzte Entlarvungen. Denn der Blick hinter den Vorhang der eigenen Vorstellungen kann zwar auch bedrückend sein. Bei Boyer ist er aber zugleich mit einem feinsinnigen Humor durchzogen, der jegliche Wahrnehmungskritik zu einem absoluten Vergnügen werden lässt.
NICOLAS BOYER (*1972) studierte an der Pariser GOBELINS, l'école de l'image, arbeitete anschließend als Art Director. Als Street Photographer mit besonderem Auge für das Ausgefallene fand er zu seiner Berufung und internationaler Bekanntheit. Er ist u.a. Preisträger des Sony World Photo Awards.